

Es gibt ein häufiges Missverständnis bezüglich
der Güte Gottes, vor allem unter den Menschen, die keine Christen sind. Sie
suchen nach Rechtfertigung ihres Unglaubens, indem sie Gott alle erdenklichen
negativen Eigenschaften oder in ihren Augen ungerechtes Verhalten zuschreiben.
Auf diese Weise erreicht der Urheber des Unglaubens, Satan, sein Ziel in der
Regel ohne nennenswerten Widerstand.
Einen nicht geringen Anteil an solchem Denken hat der Humanismus, der unser
Empfinden tief geprägt hat. Neben vielen guten Entwicklungen, die er zweifellos
für die Gesellschaft gebracht hat, gibt es eine humanistische Prämisse, die
fatale Folgen mit sich bringt: Der Mensch ist das höchste Gut, das Maß aller
Dinge. Diesem Maß hat sich alles andere unterzuordnen, auch Gott. Wenn Gott
etwas tut oder zulässt, was dem Menschen schlecht erscheint, dann macht dieser
Gott folgerichtig etwas falsch und ist es nicht wert, anerkannt zu werden.
Gott ist der Urheber des Guten
Die Schöpfung war gut, und der Mensch in den Augen des Schöpfers sogar "sehr
gut". Der Mensch war in der Lage und bevollmächtigt, über die Welt in einer
perfekten Weise zu herrschen. Die Natur diente dem Menschen und der Mensch
zerstörte sie nicht.
Die Voraussetzung für einen dauerhaft paradiesischen Zustand war Gehorsam dem
Schöpfer gegenüber. Gott hatte keine Marionetten geschaffen, sondern dem
Menschen einen freien Willen gegeben. Die Herrschaft über die Welt gab der
Mensch an den gegen Gott rebellierenden Erzengel Luzifer ab, aus freier
Entscheidung. Gott liebt seine Geschöpfe trotz der Sünde, die damit in die Welt
kam, und es gab durch die ganze Menschheitsgeschichte immer die Möglichkeit für
jeden einzelnen, sich für oder gegen Gott zu entscheiden.
An diesen Grundlagen hat sich bis heute nichts geändert. Jeder von uns kann
frei wählen, für oder gegen Gott. Es ist diesbezüglich auch nicht sinnvoll,
sich mit der Frage zu beschäftigen, was denn mit Menschen sei, die nie von Gott
gehört haben, wenn man selbst vor dieser Entscheidung steht. (Die Bibel sagt
sehr deutlich, dass jeder Mensch, der nie die Chance bekam, von Gott etwas zu
erfahren, nach seinem Gewissen gerichtet wird, weil dieses
Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse in jedem Menschen vorhanden ist.)
Diese und ähnliche Diskussionen dienen in der Regel nur dem Ziel, sich um eine
eigene verbindliche Entscheidung zu drücken - und damit ist die Entscheidung
gegen Gott getroffen.
Die Güte Gottes anzuzweifeln ist dann leicht, wenn man von humanistischen
Grundsätzen ausgeht und den Zusammenhang von Sünde und Herrschaftsanspruch über
die Welt außer Acht lässt. Auch Christen können in solchen Zweifel geraten.
So erkenne denn, dass der HERR, dein Gott, der Gott ist, der treue Gott, der
den Bund und die Güte bis auf tausend Generationen denen bewahrt, die ihn
lieben und seine Gebote halten. (5. Mose 7, 9)
Die Güte und Treue Gottes ist an eine Bedingung geknüpft. So war es bei der
Schöpfung, und so ist es geblieben. Die ersten Menschen hatten eine perfekte
Welt, und diese wäre auch perfekt geblieben, wenn Adam und Eva Gott geliebt und
seine Gebote gehalten hätten. Gott ist treu und steht zu seinen Verheißungen,
wenn auf unserer Seite Treue vorhanden ist. Wenn dies nicht der Fall ist,
begeben wir uns freiwillig aus dieser Güte Gottes.
Sünde trennt uns von Gott. Und doch ist der Weg zurück - eben wegen der Gnade -
offen. "An die Sünden meiner Jugend und meine Vergehen denke nicht; nach
deiner Gnade gedenke du meiner, um deiner Güte willen, HERR!" sagt David in
Psalm 25, 7.
Im Alten Testament gab es die Opfer und die Vorschriften, mit denen der Mensch
seine Entscheidung für Gott und gegen die Sünde symbolisch deutlich machen
konnte und musste. Doch diese Opfer waren immer nur äußere Zeichen, Gott war
daran interessiert, wie es im Herzen des Menschen aussah.
Seit dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus sind die Opfer des Alten
Testamentes überflüssig geworden, denn die Versöhnung mit Gott ist nun durch
den Glauben an seinen Sohn möglich.
Bis zu dem Tag, an dem Gott eine neue Erde und einen neuen Himmel erschaffen
wird, leben wir als Menschen in einer Welt, in deren konkrete Ereignisse und
Umstände Gott nicht ohne unsere Einladung, unsere Aufforderung eingreifen wird.
Das Ergebnis ist überall zu sehen und wirkt sich auf Gläubige wie Ungläubige
aus. Doch diejenigen, die ihn lieben und seine Gebote bewahren, erleben schon
in diesem irdischen Leben die ganz konkreten Auswirkungen ihrer Beziehung zu
Gott und ihres Glaubens.
Nicht alle widrigen Umstände werden uns als Christen erspart - etwas derartiges
zu behaupten wäre töricht. So wie der Apostel Paulus Schiffbruch, Hunger und
vielerlei Bedrängnisse erlebte, geht es auch heute nicht jedem Kind Gottes
blendend, was die Lebensumstände betrifft. Doch ändert das etwas an der Güte
Gottes? Ich meine, nein. Denn Gott ist nicht der Urheber von Leid, er ist nicht
der Urheber der Schmerzen, der Krankheiten, der Not, der Verzweiflung.
Der Psalm 118
Der König David ist jemand, der in seinem Leben schlimme Umstände erleben
musste, und der dennoch - oder gerade aus dieser Erfahrung heraus - von der
Güte und Gnade Gottes felsenfest überzeugt war. In Psalm 118 lesen wir:
Preist den HERRN, denn er ist gut, denn seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage
Israel: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage das Haus Aaron: Ja, seine
Gnade/Güte währt ewig! Es sagen, die den HERRN fürchten: Ja, seine Gnade/Güte
währt ewig! (Das hebräische Wort bedeutet gleichermaßen Gnade und Güte)
Man könnte fast annehmen, dass der Autor solcher Zeilen ein behütetes Leben in
den besten Umständen verbracht haben muss. Aber: Aus der Bedrängnis rief ich
zu Jah. Jah antwortete mir in der Weite (schuf mir Raum).
David hatte Flucht vor Todfeinden kennen gelernt. Er musste sich verstecken,
mittellos als Flüchtling in fremden Ländern leben, kannte Hunger, Durst,
Schmerzen, Trauer, Verrat und Verleumdung. Aber er schreibt weiter: Der HERR
ist für mich, ich werde mich nicht fürchten. Was könnte ein Mensch mir tun? Der
HERR ist für mich unter denen, die mir helfen. Ich werde herabsehen auf meine
Hasser. Solche Zuversicht kann nur jemand haben, der unerschütterlich um
die Gnade und Güte Gottes weiß, egal, wie die Umstände aussehen. Menschen,
denen im Leben nichts Schlechtes widerfahren ist, können sich kaum in solche
Situationen hineinversetzen.
Wir neigen wohl alle dazu, uns an den Haaren aus dem Sumpf ziehen zu wollen.
Ich jedenfalls weiß um meinen Hang zur Selbsthilfe - und ich kenne viele, die
ähnlich auf Not reagieren. Wenn beispielsweise die Schulden wachsen, dann
leisten wir noch mehr Überstunden, rackern uns mit noch mehr Nebenjobs ab,
suchen Hilfe bei Kreditinstituten, bei Freunden...
David gibt eine andere Empfehlung: Es ist besser, sich bei dem HERRN zu
bergen, als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser, sich bei dem HERRN
zu bergen, als sich auf Edle zu verlassen.
Es fällt vielen von uns schwer, das normale Muster zu durchbrechen. Meistens
reagieren wir doch so: Es existiert eine Not. Wir nehmen sie zur Kenntnis. Wir
bitten Gott um sein Eingreifen. Dann stehen wir von den Knien auf und werden
selbst tätig.
Aber ist das ein "sich beim Herrn bergen", wie David es ausdrückt? Der König
machte folgende Erfahrung: Alle Nationen hatten mich umringt. Im Namen des
HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich umringt, ja, mich
eingeschlossen. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich
umringt wie Bienen. Sie sind erloschen wie Dornenfeuer. Im Namen des HERRN -
ja, ich wehrte sie ab. Hart hat man mich gestoßen, um mich zu Fall zu bringen.
Aber der HERR hat mir geholfen.
Wie sah die Stärke Davids aus? Waren es Soldaten, Verbündete, Waffen?
Keineswegs. Auf solche Hilfe und Stärke vertraute er nicht, denn er war
überzeugt von der Gnade und Güte Gottes: Meine Stärke und mein Gesang ist
Jah. Er ist mir zur Rettung geworden.
Diese Weigerung, sich selbst zu helfen, führt dazu, dass wir uns auch nicht
selbst rühmen können, wenn eine Not gewendet ist. Statt dessen bekommt Gott die
Ehre:
Klang von Jubel und Heil ist in den Zelten der Gerechten. Die Rechte des
HERRN tut Gewaltiges. Die Rechte des HERRN ist erhoben, die Rechte des HERRN
tut Gewaltiges. Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten Jahs
erzählen.
Im nächsten Vers kommt David darauf zurück, dass ihm Schwierigkeiten und Not
nicht von vorne herein erspart geblieben sind. Er sagt: Hart hat mich Jah
gezüchtigt, aber dem Tod hat er mich nicht übergeben.
Hier stutzen viele Christen. Straft Gott also doch? Züchtigt er mit Unglück und
Not seine Kinder? Ist es doch Gott, der Krankheit verursacht?
Nein, denn dann würde er sich selbst widersprechen. Allein die Aufforderung
Jesu an uns als seine Nachfolger, die Kranken zu heilen, wäre unsinnig, wenn
Gott Krankheiten als Erziehungsmaßnahmen verursachen würde.
Gott kann und wird Sünde nicht gutheißen, schönreden oder tolerieren. Das geht
einfach nicht. Der Mensch verlor das Paradies, als die Sünde auftrat. Dass wir
sterben müssen ist eine Konsequenz daraus. Das ewige Leben ist wiederum eine
Konsequenz des Glaubens.
Gott ist unveränderlich gnädig und gütig. Er ist die Liebe selbst. Er ist daran
interessiert, dass seine Kinder durch die Not hindurchkommen und triumphieren.
Und hier sind wir gefragt: Ohne unsere Mitwirkung wird sich nichts ändern.
Die Band U2 bringt es in dem Song Vertigo auf den Punkt: I’m at a place called
vertigo. It’s everything I wish I didn’t know ... but your love is teaching me
how to kneel. (Ich befinde mich an einem Ort namens Vertigo. Er beinhaltet
alles, was ich am liebsten nicht kennen würde ... aber deine Liebe lehrt mich,
zu knien.)
Wer Gott nicht um Hilfe bittet, sondern seinen eigenen oder menschlichen
Hilfsmitteln vertraut, kann und wird den Sieg nicht erleben. Wenn David hier
also sagt, dass der Herr ihn hart gezüchtigt hat, dann kann uns das nicht als
Argument gegen die Güte und Gnade Gottes dienen. David hatte gesündigt, einen
Mord begangen um einen Ehebruch zu vertuschen - und er erntete die Frucht
dieser Saat. Aber er erlebte, dass Gottes Gnade selbst aus dieser Situation
heraus triumphierte, als er die Sünde bereute und bekannte.
Noch einmal: Aus solchen Situationen dürfen wir nicht schließen, dass Gottes
Güte und Gnade "Pause machen" würden, wenn wir Erziehung benötigen. Und in den
seltensten Fällen hat unsere persönliche Not irgend etwas mit Züchtigung zu
tun.
David hat klar erkannt, was aus den Schwierigkeiten erwachsen wird, nämlich
Lobpreis und Anbetung: Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit! Ich will durch
sie eingehen, Jah will ich preisen. Dies ist das Tor des HERRN. Gerechte ziehen
hier ein. Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zur
Rettung geworden.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom
HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. Dies ist der
Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm!
Dies ist der Blick in die Zukunft. Denn noch steht David den Problemen
gegenüber, und er nimmt sie im nächsten Vers noch einmal zur Kenntnis: Ach,
HERR, hilf doch! Ach, HERR, gib doch Gelingen!
David sieht die Not, aber er bekennt mit seinem Mund bereits den Sieg:
Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN. Vom Haus des HERRN aus haben wir
euch gesegnet. Der HERR ist Gott. Er hat uns Licht gegeben. Bindet das
Festopfer mit Stricken bis an die Hörner des Altars! Du bist mein Gott, ich
will dich preisen! Mein Gott, ich will dich erheben.
Am Schluss kommt er noch einmal auf die bereits in den ersten Versen mehrfach
festgestellte Güte Gottes zurück, an der es trotz der Schwierigkeiten keinen
Zweifel geben kann: Preist den HERRN, denn er ist gut! Ja, seine Gnade währt
ewig!
Das Geheimnis des Sieges
Es ist natürlich kein Geheimnis, sondern es steht schwarz auf weiß in der
Bibel. Wenn wir zunächst das begriffen und verinnerlicht haben, was David in
diesem Psalm sagt, ist der erste Schritt getan. Gott ist gut. Seine Gnade
währt ewig. Keine Umstände ändern etwas an dieser Tatsache. Keine Not setzt
diese Wahrheit außer Kraft.
Der zweite Schritt folgt aus dem ersten. Wenn wir unser Denken von den
humanistischen Mustern befreit haben, wird sich unser Reden ändern.
Joyce Meyer (eine wunderbare Dienerin Gottes aus Amerika) erzählte einmal, wie
Gott ihr einen Schlüssel zur Veränderung ihres Lebens zeigte: "Joyce, wenn du
aufhörst, negativ zu sein, werde ich dein Leben segnen." Sie war unter sehr
schlimmen Umständen aufgewachsen, die sie zu einer durch und durch
pessimistischen Frau gemacht hatten, was sich auch in ihrem Reden
widerspiegelte. Während der nächsten Monate gab sie sich große Mühe und
arbeitete hart daran, lieber den Mund zu halten als etwas negatives zu äußern.
Aber es änderte sich trotzdem nichts an den Umständen.
Daher sagte sie eines Tages im Gebet: "Herr, ich habe aufgehört, negativ zu
reden. Es hat sich aber nichts geändert, mir widerfährt nichts Gutes."
Die Antwort, die sie erhielt, ist der Schlüssel auch für jeden von uns: "Ja, du
hast aufgehört, die falschen Dinge auszusprechen. Aber du hast noch nicht
angefangen, die richtigen Dinge auszusprechen."
Wenn wir Gott wirklich glauben, dass er gut ist, dass seine Gnade und Güte
nicht schwächer werden oder aufhören, dann wird sich das in unserem Reden
wiederfinden. Wir werden die Wahrheit Gottes über unserem Leben, über den
Umständen aussprechen, und nicht das, was die Umstände (und in Wirklichkeit der
Urheber der Umstände, der Teufel) uns nahe legen möchten.
Wie David in dem Psalm 118, den wir hier betrachtet haben, werden wir zur
Kenntnis nehmen, dass es eine reale Not gibt, aber wir werden auf Grundlage der
unveränderlichen Güte und Gnade Gottes anders reden als ein Mensch, der dieses
Fundament nicht hat.
David hatte das schon als ganz junger Mensch praktiziert. Er sah den sehr
realen und menschlich gesehen übermächtigen Goliath und nahm ihn zur Kenntnis.
Das taten auch die Soldaten Israels und sie fürchteten sich und verzagten. Doch
Davids Vertrauen in seinen Gott machte es ihm möglich, bereits vor der
Konfrontation zu sagen: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und
Krummschwert. Ich aber komme zu dir mit dem Namen des HERRN der Heerscharen,
des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast. Heute wird der
HERR dich in meine Hand ausliefern, und ich werde dich erschlagen und dir den
Kopf abhauen. Und die Leichen des Heeres der Philister werde ich heute noch den
Vögeln des Himmels und den wilden Tieren der Erde geben. Und die ganze Erde
soll erkennen, dass Israel einen Gott hat. (1. Samuel 17, 45-46)
Mein Vorschlag: Mach es dir zu eigen, dass Gottes Güte, Gottes Gnade sich nicht
ändern. Die Umstände werden etwas anderes suggerieren. Was heute fest zu stehen
scheint, mag morgen zusammenbrechen. Erschütterungen, Not, Schmerzen und
Finsternis in dieser Welt werden nicht ausbleiben, sondern zunehmen. Du wirst
ein Fundament brauchen, auf dem du sicher stehen kannst, einen Felsen in der
Flut: Gott ist gut. Seine Gnade währt ewig.
Dein Reden wird sich ändern, je tiefer du das in dir verankerst. Du wirst wie
David in der Lage sein, über die Bedrohung hinaus auf das Wunder Gottes zu
sehen und dies bereits auszusprechen, sogar schon lange, bevor es sichtbar
wird. Es ist deine Entscheidung, ob du der Güte Göttes glauben uns sie mit
deinen Worten aussprechen möchtest.